Der Start von Kamel Kritas ins Berufsleben war alles andere als gewöhnlich: Schon in jungen Jahren musste der 23-Jährige Verantwortung übernehmen. Aufgewachsen in Algerien, begann er mit zwölf Jahren, noch während der Schulzeit, eine Ausbildung zum Friseur, um seine Familie finanziell zu unterstützen. Doch schon damals wusste er, dass ihn dieser Beruf nicht langfristig erfüllen würde.
Mit seinem Ehrgeiz schaffte er es, ein Stipendium für ein Studium in Jura und Politikwissenschaften mit dem Schwerpunkt Sprachen zu erhalten. Dieses ermöglichte Kamel Kritas, nach Kiew in die Ukraine zu gehen, um dort weiterzustudieren. Doch das Schicksal hatte andere Pläne: Der Krieg nach dem Angriff Russlands zwang ihn, das Land zu verlassen. Kritas fand Zuflucht in Deutschland.
Azubi in der Pflege sammelt Erfahrungen in unterschiedlichen Einrichtungen
In Deutschland angekommen, wusste Kamel Kritas, dass er einen Beruf ausüben möchte, der ihn nicht nur fordert, sondern erfüllt. Ein Freund riet ihm dazu, es mit der Pflege zu versuchen. Daraufhin vereinbarte Kritas einen Probetag in einer Pflegeeinrichtung. Sofort war ihm klar: Das ist es, was er machen möchte. Doch der Weg in die reguläre Pflegeausbildung war nicht sofort möglich. Zunächst musste Kamel Kritas zwei Jahre eine Ausbildung als Helfer in der Pflege absolvieren und dabei gleichzeitig Deutsch lernen.
„Nur wenn du die Sprache sprichst, kannst du eine echte Beziehung zu den Senioren aufbauen“, erklärt er. Durch seinen sprachlichen Hintergrund – er hatte ja bereits während des Studiums Deutsch gelernt – fiel es ihm leichter, sich zurechtzufinden. Seit Juli ist Kritas nun offiziell in der Ausbildung zum Pflegefachmann, angesiedelt im Domicil Seniorenzentrum am Pfühlpark in Heilbronn. Eine generalistische Ausbildung, die alle Bereiche der Pflege abdeckt. Jeder Azubi sammelt Erfahrungen in verschiedenen Pflegeeinrichtungen: von ambulanten Pflegediensten über Krankenhäuser bis hin zur Pädiatrie und Psychiatrie.
Schöne Momente in der Pflege: Senioren zeigen Dankbarkeit
„Man lernt überall etwas und kann am Ende entscheiden, wo man sich am meisten wohlfühlt“, erklärt Kritas. Für ihn sei die Abwechslung einer der spannendsten Aspekte der Ausbildung. Aktuell ist er im ersten Lehrjahr und verbringt seine Zeit im Domicil, der sogenannten Orientierungsstation, um die Grundlagen der Pflege zu lernen. Kritas bereut seine Entscheidung nicht, in die Pflege gegangen zu sein. „Es macht mich stolz, dass ich Menschen helfen kann. Ich fühle mich gebraucht und wichtig“, sagt er. Besonders berührend seien für ihn die Momente, in denen ihm die Bewohner des Seniorenheims ihre Dankbarkeit zeigen. „Manche sagen, sie freuen sich, wenn sie mich wiedersehen.“
Sein Alltag in der Pflege ist abwechslungsreich: Von der medizinischen Versorgung, wie Blutdruckmessen und das Verabreichen von Medikamenten, bis hin zur Grundpflege, wie Unterstützung beim Duschen, gehört vieles zu seinen Aufgaben. „Manchmal muss ich auch Frühstück vorbereiten, wenn die Hauswirtschaftshelfer ausfallen“, erzählt Kritas. Er betont, dass die Arbeit mit dementen Menschen besonders herausfordernd ist: „Hier braucht man viel Geduld, Respekt und Mitgefühl. Am Wichtigsten ist es, ein gutes Herz zu haben. Denn das merken die Bewohner.“
Gehalt: Das verdient man in der Ausbildung zum Pfleger
Für Kamel Kritas ist die Arbeit mehr als nur ein Job. „Für manche sind wir hier die Einzigen, die sie haben. Wir sind ihre Familie“, erklärt er. Besonders schön findet er es, wenn sich die Bewohner untereinander verlieben oder Freundschaften schließen. Die Lebenslust, die viele Senioren trotz ihres hohen Alters noch haben, fasziniert ihn. „Manche sind über 90 Jahre alt und noch so fit und voller Energie.“
Die Ausbildung zum Pfleger dauert in der Regel drei Jahre und ist kostenlos. Das Gehalt in der Ausbildung zum Pfleger variiert und ist vom Arbeitgeber und der Region abhängig, in der man tätig ist. In der Regel können Azubis in der Pflege im ersten Lehrjahr ein Gehalt von etwa 1.340 Euro brutto im Monat erwarten. In den beiden Folgejahren steigen die Bezüge auf etwa 1.420 und 1.500 Euro. Nach der Ausbildung erwartet die Pflegekräfte ein Einstiegsgehalt von rund 3.000 Euro brutto pro Monat. Nach zehn Jahren Berufserfahrung kann man mit rund 3.600 Euro Bruttomonatsgehalt rechnen.
Nach der Ausbildung zum Pfleger: Das sind die Perspektiven
Wer die Pfleger-Ausbildung erfolgreich abgeschlossen hat, kann sich danach noch weiterbilden. Beispielsweise gibt es die Option, eine Fachwirtausbildung zu machen – etwa im Gesundheits- und Sozialwesen oder im Management für Gesundheitswesen. Auch ein Studium ist denkbar: Typische Studiengänge sind zum Beispiel Pflegemanagement, Gesundheitsmanagement oder Gerontologie. In vielen Fällen ist ein Start des Studiums auch ohne Abitur und lediglich mit einer abgeschlossenen Ausbildung möglich.
Von Aleyna Tas


