Nach der Mittleren Reife noch das Abitur nachlegen: Diesen Wunsch haben viele Schüler – und schlagen diesen Weg über berufliche Gymnasien ein. Doch berufliche Gymnasien mit entsprechender Fachausrichtung sind nicht nur eine Möglichkeit. Auch für Schüler von allgemeinbildenden Gymnasien ist ein Wechsel möglich.
Beispielsweise in Öhringen bei Heilbronn gibt es das Agrarwissenschaftliche (AG), das Sozialwissenschaftliche (SG) sowie das Wirtschaftsgymnasium (WG). An allen drei Schulen existiert jeweils ein Profilfach, welches in sechs Stunden in der Woche über drei Jahre unterrichtet wird. Das schriftliche Abitur ist in diesem Fach verpflichtend. Am AG ist das Profilfach Agrarbiologie, am SG Pädagogik und Psychologie. Am WG sind die Möglichkeiten noch einmal breiter: Hier gibt es die drei Profile Wirtschaft, Finanzmanagement und Internationale Wirtschaft, mit jeweils unterschiedlichen Profilfächern.
Berufliche Gymnasien: Breite inhaltliche Felder auf dem Weg zum Abitur
Martina Hövekamp ist Abteilungsleiterin des AG und SG in Öhringen bei Heilbronn und erklärt die jeweiligen Schwerpunkte der Schulen auf dem Weg zum Abitur genauer. „Am AG lernen die Schüler viel über Tiere, Pflanzen, Gentechnik. Es geht um unsere Böden, um Nährstoffmobilisierung, das ist hier in großes Thema. Darüber hinaus geht es auch um Biochemie und Humanbiologie – man kann sagen, es ist ein wirklicher Rundumschlag“, erklärt sie.
Auch am SG werde ein breites Feld abgedeckt: Von Alltagspsychologie, über Wissenschafts- und Klinischer Psychologie, gehe es beispielsweise um Fragen wie: Wie nehmen wir Dinge wahr? Wie funktioniert unser Gehirn? Besonders ein Missverständnis möchte die Abteilungsleiterin klarstellen: „Wir führen zur allgemeinen Hochschulreife. Mit unserem Abitur kann man an jeder Universität jedes Fach studieren.“
Nicht nur fachbezogene Studiengänge nach Abitur am beruflichen Gymnasium
Mit dem Irrtum, dass man nur fachbezogene Studiengänge an bestimmten Universitäten oder Hochschulen studieren kann, sieht sich auch Matthias Kyek, Schulleiter des WG Öhringen in der Nähe von Heilbronn, konfrontiert. „Auch im Ausland hat man die gleichen Möglichkeiten“, erläutert er. Gerade das Profil Internationale Wirtschaft biete hier Vorteile, da es bilingual, auf Englisch und auf Deutsch, unterrichtet werde.
Wenn Schüler sich aber nach dem Abitur für ein wirtschaftsnahes Studium oder eine wirtschaftsorientierte Ausbildung entscheiden, hören Matthias Kyek und Jörg Wagner, Abteilungsleiter des WG, oft viel Positives: „Wir kriegen die Rückmeldung, dass unsere Schüler erhebliche Vorteile im Studium oder in der Berufsausbildung haben, weil sie beispielsweise Buchhaltung bereits in der Schule kennengelernt haben“, erklärt Jörg Wagner. Mehr Infos gibt es unter www.ksoe.de und www.rws-oehringen.de.
Gleichzeitiges Bewerben an mehreren Schulen
Die Bewerbung an beruflichen Gymnasien erfolgt in Baden-Württemberg landesweit zentral über die Seite „BewO“, einem Online-Bewerbungsverfahren, zu finden unter www.bewo.kultus-bw.de. Es ist möglich, sich mit einem einzigen Aufnahmeantrag an mehreren beruflichen Schulen gleichzeitig zu bewerben. Mit diesen Ausbildungsgrundlagen schafft man sich eine gute Basis, um für den Arbeitsmarkt der Zukunft und die wichtigsten Berufsfelder gerüstet zu sein.
Von Marie Provencal


