Seitenweise Papier – mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen, alles in einer Mappe gesammelt – und ab damit zur Post. So lief die Bewerbung jahrzehntelang traditionell ab. Doch der klassische Weg ist heute in vielen Unternehmen out – und bei Weitem nicht der einzige, auf potenzielle Arbeitgeber zuzugehen und seine Fähigkeiten herauszustellen. Auch bei der Bewerbung hält das Digitale immer mehr Einzug.
Und damit ist längst nicht nur gemeint, dass Unternehmen auch E-Mail-Bewerbungen mit Zeugnissen im Pdf-Format annehmen. Denn das ist längst Standard. Weniger verbreitet, aber immer mehr im Kommen sind Bewerbungen über WhatsApp. Das spricht vor allem junge Zielgruppen und angehende Auszubildende an. Schließlich ist die Kontaktaufnahme über den Messenger-Dienst wesentlich lockerer und unkomplizierter als das antiquierte Verschicken von dicken Umschlägen per Post. Das senkt auch die Hemmschwelle, aktiv zu werden und auf das Unternehmen zuzugehen. In Zeiten des Fachkräftemangels ist das ein wichtiger Trumpf für Firmen, um sich von der Konkurrenz beim Bewerbungsprozess zu unterscheiden.
Grundsätzlich ist diese Form der Bewerbung aber nicht zwangsläufig nur für junge Kandidaten oder angehende Auszubildende geeignet. Ob es um Führungspositionen oder Aushilfen geht – jede Berufsgruppe kann sich von dieser Form der Bewerbung und der damit verbundenen Beschleunigung des Ablaufs angesprochen fühlen.
Flott und persönlich: Die Bewerbung per WhatsApp
Damit sich die Kandidaten per WhatsApp bewerben können, bieten die Personaler von Unternehmen Handykontakte an. Dort können sich die Bewerber schnell, formlos und ohne große Vorbereitung melden. Ein ausführliches Anschreiben zum Beispiel ist hierbei nicht nötig. Zudem kann man auf diesem Wege auch rasch erfahren, ob die ausgeschriebene Stelle überhaupt noch zu haben ist. Die Kommunikation über WhatsApp anstatt per klassischer E-Mail schafft zudem eine persönliche und informelle Atmosphäre.
Darüber hinaus kann ein Messenger-Dienst wie WhatsApp auch den Arbeitsaufwand für die Personaler der Unternehmen verringern: Diese können beispielsweise Textbausteine, Nachrichtenvorlagen oder automatisierte Antworten verwenden, damit der Bewerber auf seine Aktivitäten rasch eine Rückmeldung erhält.
Soziale Netzwerke bei Mitarbeitersuche immer wichtiger
Bemerkenswert: Längst setzen nicht nur junge und hippe Start-up-Unternehmen auf die vergleichsweise unkomplizierte Bewerbung per WhatsApp. Auch Firmen aus den Bereichen Hafenlogistik sowie ÖPNV nutzen diese moderne Methode. Und der Reisekonzern Tui sowie der Paketdienst Hermes zeigen sich gegenüber solchen Vorgehensweisen zumindest offen, wie die FAZ berichtet. Laut dem Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), dem Forschungsinstitut der Bundesagentur für Arbeit in Nürnberg, war bereits im Jahr 2022 bei jeder vierzehnten erfolgreich besetzten Stelle ein Social-Media-Kanal der entscheidende Weg der Kontaktaufnahme.
Nach den persönlichen Kontakten, Internet-Jobbörsen und der jeweiligen Unternehmenshomepage sind die Sozialen Netzwerke mittlerweile der viertwichtigste Kanal bei der Mitarbeitersuche.
Professionalität auch bei Bewerbung per Social Media wichtig
Doch Achtung: Auch wenn man einen Messenger-Dienst wie WhatsApp vor allem aus der privaten Nutzung kennt: Sobald man den Kanal für den beruflichen Kontext verwendet, sollte man auch einen professionellen Eindruck erwecken und bei der Kommunikation mit den potenziell zukünftigen Kollegen auf korrekte Rechtschreibung achten sowie Umgangssprache und Emojis besser außen vor lassen. Meist ist eine kurze Vorstellung der eigenen Person mit einer nachvollziehbaren Struktur für den Erstkontakt des Bewerbers in Richtung Unternehmen völlig ausreichend.
Digitale Bewerbungen eröffnen, im Gegensatz zu den reinen Unterlagen in Papierform, aber auch multimedial viel mehr Möglichkeiten. Beispielsweise in der Medienbranche erwarten manche Unternehmen auch eine Selbstpräsentation des Kandidaten per Kurz-Video für die Bewerbung. Das ist vor allem dann sinnvoll, wenn man später im Berufsalltag auch vor der Kamera agieren muss oder darüber hinaus auch im Kundendienst oder Servicebereich täglich mit vielen Menschen in Kontakt ist. Ein solches Video kann man beispielsweise ebenfalls bequem per WhatsApp an die Personalabteilung des Wunschunternehmens schicken.
Bewerbung per WhatsApp: Datenschutz beachten
Was Unternehmensmitarbeiter bei der Bewerbung per WhatsApp aber unbedingt beachten sollten, ist der Datenschutz. Denn: Die private Version von WhatsApp und die WhatsApp-Business-App sind nicht DSGVO-konform. Für datenschutzkonformes Recruiting ist daher die Verwendung der WhatsApp-Business-API notwendig. Nur in dieser Version sind die ausgetauschten Daten unter den Usern des Messenger-Diensts auch ausreichend verschlüsselt.
Ganz ohne die offiziellen Unterlagen geht es im Anschluss aber auch nicht: Sobald der Erstkontakt zwischen Bewerber und Unternehmen hergestellt ist und es in die nächste Runde geht, verlangen die Personalverantwortlichen den Lebenslauf und Zeugnisse. Wer diese Daten stets aktuell hält, kann glänzen, indem er sie direkt nach der Anfrage an seinen Ansprechpartner bei der Wunschfirma schickt. Bevor es dann an die Unterschrift des Arbeitsvertrags geht, folgt aber noch das persönliche Kennenlernen. Mit wem man es zu tun hat, möchten schließlich sowohl die Vertreter der Firma als auch die Bewerber wissen. Diesen direkten Eindruck können weder die Social-Media-Kanäle noch Messenger-Dienste ersetzen. Doch mit diesen Tipps muss einem auch vor dem Vorstellungsgespräch keineswegs bange sein.
Von Daniel Hagmann


