Früher oder später kommt für jeden der Moment, an dem man die Schule oder die Universität hinter sich lässt. Der Job ist eine Umgebung mit ganz eigenen Regeln. Der Karriere-Coach Stefan Kozole aus Boxberg erklärt im Interview, was für den Start in den Beruf wichtig ist und, welche Fehler man unbedingt vermeiden sollte.
Herr Kozole, erster Tag im Job oder in der Ausbildung – was gilt es dabei, zu beachten? Und welche Fehler sollte man möglichst umschiffen?
Stefan Kozole: Sei unbedingt pünktlich. Sei am besten zehn Minuten eher da, dann kannst du dich vorbereiten, noch mal die Toilette aufsuchen, durchatmen. Ein zweiter Tipp: angemessen gekleidet kommen. Ja, Streetwear ist toll, wenn du in deiner Clique unterwegs bist. Aber das passt nicht in die Arbeitswelt hinein.
Was ist angemessene Kleidung?
Kozole: Wir sprechen heute eher von Business Casual. Das ist im Regelfall saubere Kleidung mit gedeckten Farben, die nicht von oben bis unten mit Logos bedruckt ist. Man kann ein Polohemd tragen oder eine Bluse und eine normale Jeans. Schau dir am besten an, was die anderen Leute im Unternehmen tragen. Im Business gilt grundsätzlich: Sich beim ersten Eindruck lieber leicht overdressed als underdressed präsentieren.
Vorsicht, Fehler: Ratschlag kann arrogant wirken
Wie verhält man sich zum Start im neuen Job am besten?
Kozole: Beobachte und stelle Fragen. Es ist völlig normal, als Neuling Fragen zu stellen. Vermeide dabei aber den Fehler, dich als Oberlehrer zu präsentieren. Ihr habt gerade mit eurem Studium eine exzellente Ausbildung abgeschlossen. Dennoch habt ihr noch keine Erfahrung mit den besonderen Abläufen in diesem Unternehmen gemacht. Daher könnte euer gut gemeinter Ratschlag am ersten Tag arrogant wirken.
Wie viel private Infos sollte man gegenüber Kollegen preisgeben?
Kozole: Teilweise sind junge Leute sich nicht darüber im Klaren, wie viele persönliche Informationen sie bereits über ihr Leben offenbart haben. Sie sind stark in die digitale Welt eingebunden. Obwohl es Urteile gibt, die es Arbeitgebern verbieten, private Profile zu durchstöbern, kann man vermuten, dass es einige dennoch tun. Es ist wahrscheinlich, dass dabei auch mal auf dein Facebook-, Tiktok- oder Instagram-Profil geschaut wird. Mein Rat ist dabei immer, anderen nur so viel über sich selbst zu offenbaren, wie unbedingt notwendig ist.
Start in den Job: Nicht nur Probleme finden, sondern auch Lösungen anbieten
Sollte ich Bescheid sagen, wenn ich überfordert bin?
Kozole: Das ist ein schmaler Grat. Du bist eingestellt worden, um eine gewisse Arbeitsleistung zu erbringen. Aber dein theoretisches Fachwissen aus der Ausbildung und dem Studium reicht oft nicht aus. Dafür braucht es die Umsetzungskompetenz. Wenn du dich mit etwas schwertust, biete direkt eine Lösung an, die die Überforderung auflösen könnte. Was Unternehmer gar nicht haben möchten, sind diese Problem-Menschen, für die alles eine Schwierigkeit ist, aber die keine Lösungen bringen.
Wie wehre ich mich gegen unfaire Zwischen-Beurteilungen?
Kozole: Sei stets auf einen nicht optimalen Verlauf vorbereitet. Die Bewertung musst du nicht unterschreiben. Du kannst sie auch ablehnen. Der Betriebsrat ist auch eine gute Anlaufstelle.
Hintergrund: Karriere-Coach Stefan Kozole aus Boxberg arbeitete lange in internationalen Konzernen in Führungspositionen. Die Firma Cotur – Die Coaching-Manufaktur mit Sitz in Ulm gründete er im Jahr 2015. Hier bietet er Coachings zur Führungskräfte- und zur Karriereentwicklung an.
Von Theresa Heil


