Yannick Bauer am Tachymeter – ohne dieses Gerät geht bei einem Vermessungstechniker kaum etwas.
Teilen Drucken

Mit Maß und Ziel: Die Ausbildung zum Vermessungstechniker

Die Daten der Vermessungstechniker sind für Karten ganz entscheidet. Manchmal müssen sie Geländeabschnitte auch ganz neu vermessen.

Yannick Bauer am Tachymeter – ohne dieses Gerät geht bei einem Vermessungstechniker kaum etwas.

Wir kennen sie alle. Die Menschen, die in Warnwesten irgendwo im Nirgendwo oder auch am Straßenrand stehen. Vor sich ein mysteriöses Gerät auf einem Dreibein, in das sie hineinblicken. Und ein Stück weiter steht ein Kollege mit einem Stab, den er senkrecht hält. Es sind Vermessungstechniker. Doch was machen die da eigentlich? Yannik Bauer kennt sich mit der Materie aus. Denn der 20-Jährige lernt genau diesen Beruf beim Landratsamt Heilbronn.

Für den jungen Mann war schnell klar, dass er nach dem Abitur am Adolf-Schmitthenner-Gymnasium in Neckarbischofsheim erstmal eine Ausbildung machen möchte. „Ich wollte was Festes in der Hand haben, und dann kann ich immer noch weitersehen“, erzählt der junge Mann aus Neckarbischofsheim-Untergimpern. Seine Eltern waren bei der Berufswahl beteiligt und stießen bei ihren Recherchen auf den Beruf Vermessungstechniker. „Ich hab dann einen Berufswahltest in der Schule gemacht. Und da kam er auch unter die Top Fünf.“ Grund genug also, sich mal genauer zu informieren und ein Praktikum zu absolvieren. „Die Leute hier waren echt nett, also hab ich mich beworben.“

Vermessungstechniker: Daten für Karten notwendig

Im Landratsamt Heilbronn kann man sich sowohl im Vermessungs- als auch im Flurneuordnungsamt ausbilden lassen. Die Azubis wechseln alle sechs Monate und bleiben das dritte Lehrjahr dann in „ihrem“ Amt. Bei Yannik Bauer ist es das Vermessungsamt. Die Arbeit ist ähnlich, nur der Anlass ändert sich. Stets geht’s ums Vermessen.

Der Ursprung des Berufs liegt in der Ausmessung von Flurstücken für die Grundstückssteuer. Die gesamte Bebauung wird in den Liegenschaftskataster eingetragen. Neubauten und Straßen sind Alltagsgeschäft. Ihre Daten sind für Karten notwendig. Auf Antrag werden auch Grenzfeststellungen durchgeführt. Etwa, wenn sich zwei Nachbarn uneins sind. Karten müssen immer wieder aufbereitet werden. Bauer: „Mein Teamleiter hat zum Beispiel die Altstadt von Bad Wimpfen neu aufgemessen.“ Dazu kommen topographische Geländeaufnahmen.

Tachymeter in der Vermessungstechnik ganz entscheidend

Letztendlich funktioniert heutzutage fast alles über Satelliten und GPS. „Wir stellen uns mit der Satellitenpositionierungsantenne direkt an einen Standort und bekommen die Koordinaten“, erläutert der Azubi im zweiten Lehrjahr. Das funktioniert aber nicht immer. Mit dem Tachymeter – das ist das mysteriöse Gerät auf dem Dreibein – stellen die Techniker Prismen auf und berechnen über diese die Koordinaten. „Darüber können wir dann wiederum das Gebäude vermessen.“ Mindestens drei Eckpunkte sind nötig, um einen Umriss erstellen zu können. Zur Sicherheit wird auch nochmals nachgemessen.

Die Berufsschule der Vermessungstechniker befindet sich in Stuttgart. Zwei- bis fünfwöchige Einheiten Blockunterricht sind übers Jahr verteilt. Bauer: „Das Landratsamt zahlt einen Betrag für die Unterkunft. Da ich im Wohnheim lebe, reicht das und ich muss nichts zuzahlen.“ Grundlagen Bau oder berufliche Qualifikation stehen unter anderem auf dem Stundenplan. Konfliktmanagement mit Bürgern gehört auch zum Lehrplan. „Deswegen sollte man eine gewisse Ruhe mitbringen, aber auch Lust, draußen zu sein.“ Für den freiwilligen Feuerwehrmann und Fußballer waren das Hauptgründe für die Berufswahl.

Gehalt: Das verdient ein Vermessungstechniker

Im ersten Lehrjahr sind die Azubis bereits im Außendienst. „Wir werden angeregt, uns selbstständig Gedanken zu machen“, berichtet Yannik Bauer. Im zweiten Lehrjahr darf er selbst Vermessungen durchführen sowie vor- und nachbereiten Dazu gehört, die aufgenommenen Daten zu digitalisieren und zu prüfen. Etwa, ob Vermessungspunkte korrekt sind. Die sind bisweilen ins Erdreich abgesackt und man muss graben. „Ein bisschen plagen muss man sich auch können“, sagt der Azubi.

Wie viel man während der Ausbildung zum Vermessungstechniker genau verdient, hängt vom Arbeitgeber und auch vom Bundesland ab, in dem man beschäftigt ist. In der Regel liegt das Gehalt während der drei Ausbildungsjahre bei etwa 1.000 Euro brutto im Monat. Dabei steigt es auch von Jahr zu Jahr. Nach der erfolgreichen Ausbildung können Vermessungstechniker mit einem Einstiegsgehalt von 2.200 bis 2.500 Euro brutto im Monat rechnen.

Von Stefanie Pfäffle

Jobstimme
Stellenangebote via jobstimme