Als Erzieherin begegnet man permanent neuen Herausforderungen. Ständig am Tag gibt es neue Konstellationen. „Streitigkeiten untereinander zu klären und zu trösten, kann zum Beispiel viel abverlangen. Als Erzieherin braucht man vor allem Geduld“, sagt Karoline Reiter. Wichtig sei, den Kindern Grenzen zu setzen, damit ein harmonischer Alltag herrscht. „Empathie ist auch sehr wichtig, um sich in die Kinder hineinzuversetzen.“
Karoline Reiter befindet sich im Anerkennungsjahr ihrer Ausbildung in der Kindertagesstätte Abenteuerland in Untereisesheim bei Heilbronn. Sie arbeitet im Krippenbereich. Die Kinder sind zwischen einem halben Jahr und drei Jahren alt. Reiter: „Ich bin über die Webseite auf den Kindergarten aufmerksam geworden. Auf Instagram habe ich mir dann angeschaut, was mit den Kindern unternommen wird – und habe mich daraufhin beworben.“
Arbeit in der Kita: Zum Geburtstag gibt’s eine Feier
Ein typischer Arbeitstag als Erzieherin im Untereisesheimer Abenteuerland beginnt um 7.15 Uhr. Die Kinder kommen zwischen 7.30 und 9 Uhr. Die Erzieherinnen begrüßen die Kleinen und begleiten sie zum Frühstück. Danach ist der Morgenkreis. Gemeinsam singt man Lieder, spielt Fingerspiele und bespricht, was den kommenden Tag über alles ansteht.
Nach dem Morgenkreis dürfen die Kinder spielen. Hat ein Kind Geburtstag, gibt’s eine Feier. Anschließend ist eine Wickelrunde, währenddessen dürfen die Kinder weiter spielen. Dann geht es zum Mittagessen und im Anschluss zum Schlafen. Reiter: „Es ist alles sehr getaktet in der Krippe.“ Die Kinder dürfen so lange schlafen wie sie wollen, bevor sie wieder abgeholt werden.
Ausbildung zur Erzieherin: Gehalt erst im Anerkennungsjahr
„Das Arbeitsklima in der Kindertagesstätte Abenteuerland ist sehr gut“, sagt Karoline Reiter, die Erzieherin im Anerkennungsjahr. „Ich komme mit allen Kollegen super klar – und sie sind immer hilfsbereit.“ Im Abenteuerland gefällt es ihr gut. Nach ihrer Ausbildung soll sie übernommen werden. Reiter kann die Ausbildung zur Erzieherin allen empfehlen, die gerne mit Kindern arbeiten und sie geduldig bei ihrer Entwicklung begleiten wollen.
Im ersten Ausbildungsjahr sind angehende Erzieherinnen ein Mal in der Woche in der Einrichtung und den Rest der Zeit in der Berufsschule. Im zweiten und dritten Jahr haben sie nur Unterricht. In dieser Zeit verdienen sie bei der klassischen Erzieherinnenausbildung kein Geld, können jedoch Bafög beantragen. Für die Auszubildenden ist geregelt, dass sie das Geld nicht zurückzahlen müssen und alle einen Anspruch darauf haben. Glücklicherweise sind die Schulen nicht kostenpflichtig. Das vierte und letzte Jahr, das Anerkennungsjahr, steht ganz im Zeichen der Praxis. Die Auszubildenden sind das Jahr über im Kindergarten – und verdienen dann in diesem Praktikumsjahr auch ihr erstes Gehalt mit ihrer pädagogischen Arbeit.
Erzieherin: Ein Job mit Zukunftssicherheit
Die Höhe des Ausbildungsgehalts ist vertraglich geregelt. Bei der Kindertagesstätte Abenteuerland legt beispielsweise der Tarifvertrag fest, dass es im Anerkennungsjahr etwa 1300 Euro netto als Einkommen gibt. Nach ihrem Anerkennungsjahr verdient Karoline Reiter als Erzieherin in Untereisesheim ungefähr 3.500 Euro brutto. Mit der Dauer der Berufserfahrung können Erzieherinnen nach gut zehn Jahren durchaus mit einem Monatsbruttolohn von mindestens 4.000 Euro rechnen. Allerdings variiert diese Summe je nach Bundesland. In Baden-Württemberg ist man in Sachen Gehaltsvergleich vorne mit dabei. Im Durchschnitt relativ wenig verdient man als Erzieherin und Erzieher etwa in Mecklenburg-Vorpommern und in Thüringen.
Erzieherinnen und Erzieher sind derzeit sehr gefragt. Da in vielen Haushalten beide Elternteile berufstätig sind, ist der Betreuungsbedarf für den Nachwuchs hoch – und liegt meist über dem Angebot an entsprechenden Arbeitskräften. Allein in Baden-Württemberg fehlen derzeit 58.000 Betreuungsplätze für Kinder. Bis 2030 werden außerdem bis zu 41.000 Menschen gebraucht, die sich in Kitas und in der Kindertagespflege um den Nachwuchs kümmern.
Viel gefragt: Bonus-Programme locken Erzieherinnen
Laut einer Umfrage des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) der Hans-Böckler-Stiftung bezeichnen die meisten Erzieherinnen ihren Beruf als „erfüllend“ und „abwechslungsreich“. 71 Prozent der Befragten würden ihn weiterempfehlen. Allerdings sind 76 Prozent nicht mit ihrem Gehalt zufrieden. Mehr als 80 Prozent der Beschäftigten im Erzieherberuf sind Frauen.
Mit einer pädagogischen Ausbildung hat man daher sehr gute Zukunftsaussichten. Erzieherinnen und Erzieher sind aber auch heute schon sehr umworben. Manche Träger einer Kita oder eines Kindergartens versuchen daher, mit Bonus-Programmen die Fachkräfte für sich begeistern zu können. Wer die entsprechenden Angebote unterschreibt, erhält über das Gehalt hinaus beispielsweise kostenlose private Zusatzversicherungen, Kino-Gutscheine oder Gratis-Pizza bei Team-Besprechungen.
Weiterbildungen und Studiengänge im Erziehungsbereich
Für den Beruf der Erzieherin ist in Sachen Schulabschluss in der Regel mindestens die Mittlere Reife notwendig. Was die Softskills angeht sollte man im Erzieherberuf kommunikativ und nervenstark sein und sich durchsetzen können. Kreative Ideen im Umgang mit Kindern sowie die Fähigkeit zum Multitasking, wenn es mal hoch her geht, sind ebenfalls vorteilhaft. Erzieherinnen und Erzieher sind meist in Betreuungseinrichtungen für Kinder tätig. In der Regel sind das Kindertagesstätten in städtischer, kirchlicher oder privater Trägerschaft. Weitere mögliche Arbeitsorte sind zum Beispiel Jugendheime, Betriebskindergärten sowie Behörden und Beratungsstellen.
Wer darüber hinaus seine Erzieher-Kenntnisse noch weiter vertiefen will, hat beispielsweise die Möglichkeit, sich in der Sonderpädagogik oder in der Heimerziehung weiterzubilden. Darüber hinaus kann man noch studieren und den Bachelorgrad in den Fächern Soziale Arbeit oder Erziehungswissenschaften erwerben.
Von Paul Glaser


