Raus aus der Schule – und rein in die eigene Radiosendung? Das ist durchaus möglich. Und zwar mit einem Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) im Bereich Kultur. Dafür haben sich sowohl die 19-jährige Sina Burkhardt als auch die 19-jährige Kathleen Günther entschieden.
Beide haben im September 2023 ihr FSJ beim „Radio Sthörfunk“ in Schwäbisch Hall begonnen. Sina Burkhardt wohnt in Schnelldorf in Mittelfranken und pendelt täglich nach Schwäbisch Hall. Kathleen Günther ist für das FSJ sogar aus dem Schwarzwald umgezogen: „Ich wollte gerne das erste Mal ausziehen. Das war mir wichtig.“ Beide hatten davor noch keine Radioerfahrung – und trotzdem ging es am ersten Tag direkt ans Mikrofon: „Wir wurden interviewt und mussten in die Sendung unsere Lieblingssongs mitbringen“, erzählt Kathleen Günther.
FSJ beim Radio: Moderation des Mittagsmagazins
Zusammen moderieren die beiden im Rahmen ihres FSJ von Montag bis Freitag das Mittagsmagazin, den „Sthörmelder“. Jeden Tag von 12 bis 13 Uhr sind sie auf Sendung. Inhaltlich sind sie in der Gestaltung ziemlich frei. „Alles, was uns persönlich interessiert und was wir spannend finden, darf da rein“, sagt Sina Burkhardt. Auf einen regionalen Bezug achten sie aber dennoch.
Auch wenn sie bereits seit fünf Monaten dabei sind, ins Mikrofon zu sprechen, bleibt es für Kathleen Günther trotzdem jeden Tag aufs Neue aufregend: „Klar, es wird routinierter, aber die Aufregung ist bei mir trotzdem noch da. Das ist immer noch ein kleines Highlight.“ Damit von 12 bis 13 Uhr alles glatt läuft, besteht der Vormittag der FSJlerinnen beim Radio zum großen Teil daraus, die Sendung vorzubereiten. Nachmittags fallen Dinge wie Öffentlichkeitsarbeit und Social Media an, aber auch das Verteilen der neuen Sendepläne in der Stadt.
Ganz neue Einblicke durch Arbeit beim Radio
Die Frage, was die beiden an der Arbeit beim Radio in ihrem FSJ am meisten schätzen, ist für sie nicht so einfach: „Eigentlich alles“, sagt Sina Burkhardt nach kurzem Überlegen. Kathleen Günther sieht das genauso und erklärt, warum: „Unser Alltag ist nie ganz gleich und dadurch macht wirklich das ganze FSJ so Spaß.“
Einen neuen Alltag, beziehungsweise einen Arbeitsalltag kennenzulernen, war für die Abiturientinnen ein Grund, sich für ein FSJ zu entscheiden. „Ich fand die Idee schön, dass man einfach mal ein Jahr etwas komplett anderes macht, auch ohne den Gedanken, das beruflich weiter machen zu müssen“, sagt Sina Burkhardt. In welche Richtung es für sie danach beruflich weitergehen soll, wissen beide noch nicht. Sofern sie weiterhin im Kultur-Bereich tätig sein möchten, bietet sich ein Volontariat an. Dies ist auch in der Nähe von Schwäbisch Hall, im Hohenloher Freilandmuseum möglich. In der Regel ist für ein solches Volontariat aber zumindest ein Bachelor-Hochschulabschluss notwendig. In Ausnahmefällen klappt der Einstieg aber auch direkt nach dem Abitur.
Das verdient man bei einem FSJ
Bei einem FSJ sammelt man nicht nur erste spannende Praxiserfahrung in einem interessanten Berufsfeld, sondern erhält auch ein Taschengeld. Dieses beläuft sich derzeit auf 438 Euro und wird am Ende des Monats ausgezahlt.
Der Radiosender „Sthörfunk“ ist übrigens ein nichtkommerzielles Radio in Schwäbisch Hall. Die über 64 verschiedenen Sendungen werden von ehrenamtlichen Redakteuren organisiert. Grundsätzlich kann dort jeder mitmachen, der das Medium Radio einmal ausprobieren möchte. Der „Sthörfunk“ ist ein Verein und finanziert sich aus Spendengeldern und Mitgliedsbeiträgen sowie zu einem kleinen Teil aus GEZ-Geldern.
Von Marie Provencal


