Ausbildungen in Teilzeit sind immer mehr gefragt.
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Nicht nur für Mütter: So funktioniert die Ausbildung in Teilzeit

Mit weniger Wochenarbeitsstunden aber einer längeren Ausbildungsdauer eröffnen sich gerade für Frauen ganz neue Berufsperspektiven.

Ausbildungen in Teilzeit sind immer mehr gefragt.

Ein Sohn, der den kranken Vater pflegt, oder die Leistungssportlerin, die eine berufliche Alternative möchte. In solchen Fällen kann man die Berufsausbildung in Teilzeit absolvieren. Grundsätzlich kann das jeder Azubi in Anspruch nehmen – vorausgesetzt, der Betrieb und die zuständige Kammer stimmen zu.
Dann werden die Wochenarbeitsstunden reduziert, die Ausbildungsdauer verlängert sich aber. Ein Beispiel: Ist der reguläre Abschluss in Vollzeit nach drei Jahren möglich und ein Azubi reduziert die Arbeitszeit um 50 Prozent, so macht er den Abschluss nach viereinhalb Jahren. Das ist auch das Maximum.

Die reduzierte Arbeitszeit gilt jedoch nur für den Betrieb. Die Berufsschulen seien oft unflexibel, sagt Barbara Ott von der Diakonischen Jugendhilfe Heilbronn (DJHN). Besonders für Mütter, die auf Betreuungzeiten angewiesen sind, ist das mühsam. Zudem muss man für einige Berufe zum Blockunterricht in eine andere Stadt.

Ausbildung in Teilzeit schafft Selbstbewusstsein

Lösungen könnten in Sicht sein: Laut Petra Hildenbrandt, Beraterin in der Qualifizierung bei der Agentur für Arbeit, startet an der Christiane-Herzog-Schule in Heilbronn-Böckingen eine Erzieher-Klasse in Teilzeit. Nach vier Jahren soll der Abschluss folgen. Zur Infoveranstaltung seien vermehrt Personen, die bereits eine Familie gegründet haben, gekommen.

„Das Teilzeitmodell funktioniert sehr gut – gerade bei Müttern. Sie wissen, wofür sie es machen.“ Aus der Erfahrung von Barbara Ott nutzen zu 99 Prozent Frauen das Modell mit der Ausbildung in Teilzeit. Sie seien „aus der stillen Reserve“. Ohne die verkürzte Arbeitszeit, blieben sie zu Hause oder steckten in Aushilfsjobs fest. „Das hat mir niemand zugetraut“ oder „Jetzt bin ich ein gutes Vorbild für meine Kinder“ sind Sätze, die Ott oft hört.

Hinweise auf Teilzeit sollten in Stellenanzeige

Ulrike Sammet, Geschäftsführerin von „Netzwerk Teilzeitausbildung Baden-Württemberg“, bemängelt: „Bei den Stellenausschreibungen steht meist nicht dabei: ‚Auch in Teilzeit möglich’.“ Deshalb fragen Auszubildende das Angebot kaum nach. Dabei profitieren aus ihrer Sicht auch Betriebe davon, wenn sie Ausbildungen in Teilzeit anbieten. Kleinen Firmen oder Selbständigen käme es entgegen, wenn der Azubi nicht jeden Tag acht Stunden nach Arbeit oder Erklärungen fragt. „Mit Blick auf den Fachkräftemangel ist die Teilzeitausbildung eine Chance, dass das Feld an Interessenten größer wird.“

Petra Hildenbrandt sieht einen Vorteil für junge Azubis: „Wir haben viele Jugendliche, die Mühe haben, überhaupt ausbildungsreif zu sein und eine Ausbildung durchzustehen.“ Eine Teilzeitausbildung könne für sie nützlich sein, um sich persönlich zu entwickeln und zu wachsen.

Ausbildungsmodell immer mehr gefragt

Für das Jahr 2021 verzeichnete die Handwerkskammer Heilbronn-Franken 34 Teilzeitausbildungsverträge. 2022 waren es nur noch 27. Ähnlich sieht der Trend bei der IHK Heilbronn-Franken aus: Zum Ausbildungbeginn im Jahr 2022 wurden 35 Verträge in Teilzeit abgeschlossen. 2021 waren es noch 62. Damit hatten die Teilzeitausbildungsverträge nur einen Anteil von 0,4 Prozent an der Gesamtzahl aller Verträge. Trotz der niedrigen Anzahl hält Claudia Scheunpflug, Leiterin Berufsbildung bei der IHK Heilbronn-Franken, das Angebot für hilfreich. Gerade, um Menschen, die Angehörige pflegen oder ihre Kinder betreuen, eine Ausbildung zu ermöglichen.

Von Laura Bernert