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Mit Nadel und Faden: Ausbildung zum Maßschneider am Theater Heilbronn

Luis Kistner ist nach der Meisterschule wieder am Theater Heilbronn. Seine Leidenschaft fürs Nähen entdeckte er schon früh.

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Auf der Schneiderbüste hängt der Unterbau eines Mantels aus schwarz-weißem Maschenstoff. Für Außenstehende braucht es noch viel Vorstellungskraft, um zu erkennen, was einmal daraus werden soll, denn von dem fertigen Kostüm für Onkel Fester aus der „Addams Family“ ist noch nicht viel zu erkennen.
Luis Kistner kann sich das fertige Kleidungsstück jedoch schon vorstellen. Den Schnitt hat der 24-Jährige selbst aufgesetzt.

Der Weinsberger ist frisch von der Meisterschule in München zurück und darf am Theater Heilbronn nun auch eigenständig Schnitte entwickeln. Er wertet sie aus, schneidet zu und übernimmt die Verarbeitung über die erste Anprobe bis zur Fertigstellung. Mit seinem Meisterbrief hat er „das Schneiderdasein“ komplett gemacht.

Entwickeln von Schnitten lernt man in der Meisterschule

Zwei Jahre lang hat Kistner dafür die Meisterschule in München besucht. „Ich wollte den Schnitt noch lernen“, sagt der 24-Jährige. Das eigenständige Entwickeln von Schnitten lerne man erst in der Meisterschule. Dazu kommen wissenschaftliche Komponenten, die später auch für eine mögliche Selbstständigkeit wichtig sind.

„Ich habe auch noch den Ausbilderschein gemacht und den staatlich geprüften Modegestalter“, sagt Kistner. Dort lerne man, Outfits zu entwerfen und zu zeichnen. Abschließend habe es auch eine Modenschau gegeben. Die Meisterschule baut auf den Inhalten auf, die bereits in der Ausbildung erlernt wurden.

Keine Meisterpflicht mehr in der Branche

In der Branche gebe es allerdings keine Meisterpflicht mehr im Handwerk, wie Jochen Friebertshäuser, stellvertretender Leiter der Kostümabteilung und Herrengewandmeister am Theater Heilbronn, erklärt. Eine Entwicklung, die er bedauere. Auch für die Selbstständigkeit sei der Meistertitel heute nicht mehr erforderlich.

Luis Kistner absolviert seine dreijährige Ausbildung am Theater Heilbronn zum Maßschneider mit Fachschwerpunkt Herrenmode. Die Ausbildung teilt sich in die Praxis im Betrieb und Theorie an der Berufsschule einmal in der Woche.

Gelerntes wird angewendet und vertieft

Schon früh habe er die Leidenschaft für das Nähen entdeckt, wie der 24-Jährige erzählt. „Ich habe damals eine Haushaltsnähmaschine zum Geburtstag geschenkt bekommen“, sagt der 24-Jährige. Eine Freundin seiner Mutter nähte. So kam er schon früh mit dem Handwerk in Berührung.

Und auch heute nähe er noch viel in seiner Freizeit, stehe zur Stelle, wenn der Nachbar einmal die Hose geflickt brauche. Jochen Friebertshäuser sagt dazu: „Es ist wichtig, dass man sich auch privat dafür interessiert.“ Gelerntes werde angewendet und vertieft. Dazu nutze auch die zweijährige Gesellenzeit, die üblicherweise auf die Ausbildung folgt. Eine sehr wichtige Zeit, wie Friebertshäuser betont.

„Man sollte bestimmte Themen wie die Verarbeitung nicht mehr in der Meisterschule lernen müssen.“ An einigen Meisterschulen werde die Gesellenzeit allerdings nicht mehr vorausgesetzt. Kistners erstes Werk nach der Gesellenprüfung sei die Jacke des Hutmachers aus „Alice im Wunderland“ gewesen. Ein gutes Beispiel dafür, wie vielfältig klassisches Handwerk in diesem Beruf angewendet werden kann.

Von Sara Loesenbeck

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