Steuern, Rente, Altersvorsorge, Versicherungen – ganz schön knifflig, nicht? So geht es vielen jungen Menschen beim Gedanken daran, dass mit dem ersten selbst verdienten Geld viel Verantwortung einhergeht. Ähnlich ist es beim Thema Versicherungen. Ein Profi erklärt, warum Versicherungen besser als ihr Ruf und welche bereits für junge Leute, Auszubildende und Berufseinsteiger wichtig sind.
Dass Versicherungen lange Zeit „ein katastrophales Image“ hatten, bestätigt Peter Grieble von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. „Viele Vorwürfe waren insbesondere bis vor einigen Jahren korrekt – doch seit 2008 sind die gesetzlichen Weichen neu gestellt worden und es gab positive Entwicklungen.“ Durch das Versicherungsvertragsgesetz (VVG) seien die Interessen der Versicherten gestärkt worden. Das VVG regelt, wie Versicherungen verkauft werden dürfen. „Gefestigt ist beim Versicherungsvertrieb der Stellenwert der Beratung“, erklärt Grieble. Man muss nun individuell beraten. Nur Informationsmaterialien ausgeben, genügt nicht.
Versicherungen gegen Lebensrisiken entscheidend
Zentral sei die Beratung, sagt Grieble. Die Experten sollten also beim Verkauf von Versicherungen „nach Wünschen und Bedürfnissen fragen und eine genau auf die Antworten ausgerichtete Empfehlung geben“. Das sei, sagt der Verbraucherschützer, nun eine gesetzlich fundierte Pflicht, die es zuvor so nicht gab. Dazu kommt eine verpflichtende Dokumentation. „Die Beratung muss klar und detailliert in einem Beratungsprotokoll festgehalten werden“, sagt Grieble. Der Versicherungsmakler habe nur auf Seiten des Versicherungsnehmers zu stehen, auf keinen Fall auf Seiten des Versicherers und auch nicht dazwischen. Fälle, bei denen zum Abschluss gedrängt oder nicht protokolliert werde, sollte man der Verbraucherzentrale mitteilen.
Einerseits versichern Stars Körperteile. Und andererseits gibt es jede Menge kleinteilige Zusatzversicherungen. „Das Spektrum ist breit. Beginnend ab der Handy-Versicherung, die ein Smartphone im Wert von wenigen Euro absichert“, sagt Peter Grieble. Doch seien Versicherungen, auch für junge Leute wie Berufseinsteiger, viel relevanter, die Lebensrisiken absichern, bei denen es im Zweifelsfall um Millionenbeträge gehe: „Ein Risiko finanzieller Art, das einen womöglich ruinieren könnte, sollte man immer zuerst ausschließen“, erklärt er. Dort, wo es um Millionen gehe, spielen die Berufsunfähigkeitsversicherung (BU) und die private Haftpflichtversicherung die Hauptrollen. Über diese sollte man sich frühestmöglich Gedanken machen. Im nächsten Schritt folgen Grieble zufolge Absicherungen von Immobilien, Hausrat oder Kraftfahrzeugen.
Berufseinsteiger sollen an Haftpflicht und Berufsunfähigkeit denken
Häufig vergessen die Menschen, dass die Absicherung durch die gesetzliche Rentenversicherung gar keine Berufsunfähigkeit kennt und allenfalls eine Erwerbsminderungsrente bietet, die durchschnittlich sehr gering ist und zudem junge Leute benachteiligt, erklärt Grieble. „Denn diese gesetzliche Absicherung haben junge Leute in aller Regel gar nicht: weder der Student, noch der Schüler mit 15 Jahren.“ Entscheidend ist daher die eigene private Absicherung für den Fall einer Berufsunfähigkeit. Für die Ermittlung der benötigten Rente sind die veranschlagten Bezüge relevant, die wegfallen – und damit alles, was als Einkommensstrom noch vor einem liegen würde. Grieble nennt ein Beispiel: „Ich studiere, bin 22 Jahre alt, und eine Krankheit oder ein Unfall durchkreuzt meine Erwerbsbiografie, ehe sie begonnen hat. Wenn ich ansonsten noch 40 Jahre bei einem Durchschnittsgehalt von 50.000 Euro arbeiten würde, entspricht das zwei Millionen Euro, die im Feuer sind.“ Wer kurz vor Beginn eines Studiums steht, muss in Sachen Versicherung nochmals ganz eigene Punkte beachten.
Was der Versicherer fragt, erklärt Grieble, „das habe ich zu beantworten: ohne Wenn und Aber. Und nach bestem Wissen und Gewissen.“ Mit den Fragen wollten die Versicherer besondere Risiken beim Interessenten erkennen. Vor allem in Bezug auf Vorerkrankungen. „Die korrekte Beantwortung ist in meinem Interesse. Wenn ich Fragen nicht genau verstehe, diese unbedingt vom Versicherungsvertrieb erläutern lassen, niemals jemandem glauben, der meint, eine gravierende gesundheitliche Beeinträchtigung müsse man nicht angeben.“
Gegenüber Versicherungen stets ehrlich sein
Oft ist es gut, sich beim eigenen Arzt die Patientenakte zu kopieren, dann vergisst man nichts. Wer Fragen nicht korrekt beantworte, riskiert, dass der Versicherer dann – berechtigt – nichts bezahlt. Es werde die Gesundheit nicht bei Vertragsabschluss überprüft, sondern wenn eine Leistung beantragt wird. „Ich muss unterschreiben, dass mein Arzt von der Schweigepflicht entbunden wird. Dann darf der Versicherer meine Patientenakte einsehen“, sagt Grieble. Wenn etwas anderes darin stehe als das Angegebene, sei das Ansatz für die Versicherung, nicht zu zahlen.
„Haftung trifft alle, und einen Schaden kann ich auch verursachen, wenn ich extrem vorsichtig bin“, sagt Verbraucherschützer Grieble. Ein Beispiel: „Ich gehe nur kurz unachtsam über die Straße, ein Auto muss ausweichen und fährt in eine Menschenmenge. Da sprechen wir von einem Schaden in Millionenhöhe.“ Dafür hafte man und die Kosten seien nicht bezahlbar, sagt Grieble. „Daher die große Bedeutung der privaten Haftpflichtversicherung, die die Haftungsrisiken versichert.“
Bei dienstlichen Schlüsseln müsse man genau klären, wie die Haftung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbart ist, sagt Peter Grieble. Sei das unklar, kann je nach Versicherungstarif eine Absicherung über die private Haftpflichtversicherung gegeben sein, oft jedoch mit Haftungsgrenzen. Das sollte man genau prüfen.
Von Philip-Simon Klein


