Was Außergewöhnliches im Handwerk sollte es sein. Etwas, das nicht jeder macht. „Ich zumindest kenne niemanden, der unter Tage arbeitet“, erklärt Nico Wachs. Er hingegen schon. Denn der 21-Jährige ist im zweiten Lehrjahr zum Bergbautechnologen, Fachrichtung Tiefbautechnik, bei den Südwestdeutschen Salzwerken in Heilbronn beschäftigt. Das bedeutet: Sein Arbeitsplatz befindet sich etwa 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Über ein Video auf YouTube ist der Abiturient aus Neckarbischofsheim-Helmhof auf seinen heutigen Beruf aufmerksam geworden. „Ich mag den Umgang mit Maschinen, habe schon im Sandkasten am liebsten mit Bagger und Lkw gespielt“, erzählt der Sportler grinsend. Ein Bergwerk erschien also als der perfekte Ort, seine Interessen im Beruf ausleben zu können.
Enger Zusammenhalt im Bergbau
Nach dem erforderlichen einwöchigen Praktikum, das ab 16 Jahren möglich ist und bei dem man sich selbst testen kann, ob die teilweise engen Orte wirklich was für einen sind, beeindruckt Nico Wachs als Erstes der Zusammenhalt unter Tage, im Bergbau. „Alle sitzen im selben Boot.“ Und in diesem trägt jeder Einzelne zwingend immer einen Sauerstoff-Selbstretter bei sich. Auch wenn noch nie etwas Schlimmes passiert ist, gehört das Immer-Mitführen zu den ersten Dingen, die die Azubis lernen. Weil er im Notfall das eigene Leben rettet.
Doch was macht so ein Bergbautechnologe eigentlich? „Im Grunde sorgen wir dafür, dass das Salz über Tage kommt.“ Dafür bedient Nico Wachs auch schon den Sprenglochbohrwagen, der genau das macht, nach was es klingt: Sprenglöcher bohren. Mit dem riesigen Fahrschaufellader transportiert er das Salz auf die Brecher, die es zerkleinern, bevor es über Band zur Aufbereitung geht.
Spaß mit riesigen Maschinen
„Einzigartig im Salzabbau in Deutschland sind bei uns die gewaltigen Continuous Miner, die das Salz aus dem Gestein schneiden. Dazu kommen im Bergbau viele wichtige Nebenarbeiten in der Grube, wie zum Beispiel die Wetterführung. Wetter ist unter Tage das Wort für Luft, denn natürlich muss so tief unter der Erde die Frischluftzufuhr funktionieren. Bei der Reparaturschicht am Mittwoch ist es Nico Wachs‘ Aufgabe, die Bänder zu putzen. „Generell bediene ich viele große Maschinen.“ Also genau sein Ding. Immer gebe es einen fließenden Übergang vom Zuschauen zum Selbermachen. Es sei ein richtig befriedigendes Gefühl, wenn alles rund läuft.
Aber: Auch ein angehender Bergbautechnologe muss zur Schule – und Theorie lernen. Die befindet sich im hessischen Heimboldshausen. Für den jeweils einwöchigen Unterricht, etwa 13 Mal im Jahr, stellen die Salzwerke sowohl Unterkunft als auch Verpflegung zur Verfügung. Alles in allem hat Nico Wachs das Richtige für sich gefunden – 200 Meter unter der Erdoberfläche.
Gehalt und Voraussetzungen im Bergbau
Um im Bergbau als Technologe tätig zu sein, sollte man sich für Geologie interessieren und nicht unter Klaustrophobie leiden. Wichtig ist auch, sich streng an die Vorschriften zu halten. Sonst kann es nicht nur für einen selbst, sondern auch für die Kollegen rasch zu lebensbedrohlichen Situationen kommen. Für den Ausbildungsstart sollte man mindestens die Mittlere Reife mitbringen. Die Ausbildungsvergütung beträgt im ersten Lehrjahr rund 700 Euro brutto im Monat, im zweiten Lehrjahr kann man als Bruttomonatsgehalt rund 800 Euro erwarten – und im dritten rund 900 Euro. Nach der Ausbildung liegt das monatliche Einstiegsgehalt bei etwa 3.300 Euro. Langfristig kann man in Baden-Württemberg mit einem monatlichen Bruttogehalt von rund 5.000 Euro rechnen, wie das Portal gehalt.de berichtet.
Übrigens: Bis ins Jahr 2009 durften Frauen nicht unter Tage und damit nicht im Bergbau arbeiten. Der weit verbreitete Gruß unter Bergleuten lautet „Glück auf“, stammt aus dem Erzgebirge und beinhaltet den Wunsch, dass sich bei der Arbeit unter Tage Erzgänge auftun mögen. Wer sich ebenfalls für Baumaschinen, aber ausschließlich für Arbeit bei Tageslicht interessiert, für den kann der Beruf des Baumaschinenmechatronikers interessant sein.
Bergbautechnologe: So kann es nach der Ausbildung weitergehen
Nach der Ausbildung zum Bergbautechnologen kann man eine kaufmännische Weiterbildung zum Technischen Fachwirt oder den Weg zum Techniker im Bereich Geologietechnik einschlagen. Darüber hinaus ist eine Weiterbildung zum Techniker in Bohrtechnik sowie zum Techniker in Bergbautechnik möglich. Im Anschluss sind Studiengänge in den Fachrichtungen Geotechnologie, Geophysik, Geoinformatik oder Rohstoffingenieurwesen denkbar.
Von Stefanie Pfäffle


