Lena nun, die ein FSJ an einer Sonderschule absolviert, unterhält sich mit einem Kind, das gerade einen Stift von ihr entgegennimmt.
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Erfüllend, verantwortungsvoll und lustig: Lena absolviert ein FSJ in einer Sonderschule

In einem FSJ erhält man wertvolle Praxiseinblicke in viele unterschiedliche Berufszweige. Für junge Erwachsene bietet dies hilfreiche Orientierungsmöglichkeiten.

Lena nun, die ein FSJ an einer Sonderschule absolviert, unterhält sich mit einem Kind, das gerade einen Stift von ihr entgegennimmt.

Die Schulglocke läutet pünktlich um 9.30 Uhr zur großen Pause. Keine zehn Sekunden später fliegt die Tür der vierten Klasse schwungvoll auf. Rund ein Dutzend Kinder rennt unter großem Geschrei hinaus, ihnen hinterher die 19-jährige Lena Nun. „Nicht so schnell!“, ruft sie noch, fängt daraufhin aber an zu lachen. Ihre Mahnung findet nur bei wenigen Kindern Gehör. Zu groß ist die Freude der Jungen und Mädchen auf die freien 20 Minuten. Diese darf Lena Nun heute auch genießen. Normalerweise ist sie zu dieser Zeit auf dem Pausenhof unterwegs – spielt und achtet auf die Kinder.

Lena Nun aus Obersulm bei Heilbronn absolviert an der Astrid-Lindgren-Schule in Neckarsulm ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ). Und das mit einer zusätzlichen Herausforderung. Die Schülerinnen und Schüler sind mehrheitlich geistig und körperlich-motorisch eingeschränkt. „Langweilig wird es nicht“, sagt sie und lacht. Um 7.45 Uhr beginnt der Tag mit der Absprache und Aufgabenverteilung. Sie und weitere 15 FSJ-ler unterstützen die 55 Lehrkräfte der Sonderschule. Von Busbegleitungen bis hin zur Leitung von Lerngruppen ist alles dabei.

Nach dem FSJ ein Studium der Sonderpädagogik

Lena Nun fällt aber ein ganz besonderer Auftrag zu. „Ich bin einem Kind zugeordnet, das eine Verhaltensstörung aufweist“, erklärt die 19-Jährige. Das Kind rede nicht viel, reagiere teilweise aggressiv oder versuche, vom Schulgelände abzuhauen, erklärt die Absolventin des FSJ. Ihr ist es allerdings schnell gelungen, Vertrauen zu dem Kind aufzubauen. Seitdem sinkt die Zahl der Probleme. Das ist ein Gewinn für das Kind, die Mitschüler, die Lehrer und Lena Nun selbst. „Ich möchte später Sonderpädagogik studieren“, sagt Nun. Das FSJ nutzt sie, um in das Berufsfeld hineinzuschnuppern. „Mir hat es so gut gefallen, dass ich mich nach den ersten vier Monaten für ein Studium beworben habe.“

Neben dem verhaltensauffälligen Kind ist Lena Nun in ihrem FSJ noch in anderen Bereichen gefordert. Wenn um 8.30 Uhr der Unterricht beginnt, gibt es auch andere Kinder, die in Deutsch, Mathe oder Sachkunde ihre Unterstützung brauchen. Beim täglichen Morgenkreis, in dem die Kinder ihre Erlebnisse erzählen, wird es oft laut im Klassenzimmer. Auch Konflikte zwischen den Kindern kommen vor. „In solchen Fällen greife ich natürlich ein und helfe der Lehrkraft“, sagt Nun. Dennoch gibt es häufiger lustige als unschöne Momente. „Die Kinder haben einen tollen Humor“, berichtet Lena Nun. Ihr Arbeitstag endet spätestens um 14 Uhr, wenn die Kinder nach Hause oder in die Nachmittagsbetreuung gehen.

Freiwilliges Soziales Jahr: Eine Möglichkeit für Menschen zwischen 16 und 27 Jahren

Um ihre Aufgaben im FSJ optimal zu erfüllen, braucht man laut Lena Nun vor allem eine Sache: Geduld. „Jedes Kind hat sein eigenes Verhalten, das man zu akzeptieren lernen muss.“ Auch Sensibilität sei erforderlich, da manche Kinder Unterstützung bei alltäglichen Dingen wie beim Gang zur Toilette benötigen. „Man erlebt hier wirklich alles“, sagt Lena Nun.

Ein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) ist ideal für jene jungen Erwachsenen, die eine Pause zwischen Schule und Ausbildung oder Studium einlegen, sich sozial engagieren möchten und berufliche Orientierung suchen. Es richtet sich an Personen zwischen 16 und 27 Jahren. Ein FSJ kann man in Einrichtungen wie etwa Krankenhäusern, Schulen und kulturellen Institutionen absolvieren.

Von Ben Ferdinand