Laute und schrille Geräusche des Melders unterbrechen die entspannte Mittagspause. „Verkehrsunfall“ liest die junge Notfallsanitäterin und legt ihr Mittagessen beiseite. Dann läuft sie routiniert zum Rettungswagen, der wenige Sekunden später mit Blaulicht und Martinshorn um die Ecke biegt. Jetzt muss alles ganz schnell gehen, es geht um ein Menschenleben.
Die 22-jährige Sophia Weißschuh ist im dritten Jahr der Notfallsanitäter-Ausbildung, welche sie beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Heilbronn absolviert. Als Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr kannte die junge Frau den Nervenkitzel der Einsätze schon. „Mich begeistert, dass der Beruf abwechslungsreich ist, ich Menschen in Notsituationen helfen kann und dadurch einen wichtigen Beitrag zur Gesellschaft leiste“, erklärt Sophia Weißschuh. Die Ausbildung erstreckt sich über drei Jahre und mündet in einem Staatsexamen, welches aus zehn Prüfungen besteht. Zudem gibt es sogenannte Blockabschlussprüfungen.
Auch die Themen Tod und Sterben sind Teil der Ausbildung zur Notfallsanitäterin
Theoretische sowie praktische Inhalte werden in verschiedenen Blöcken an der Schule, an einer Klinik oder einer Rettungswache vermittelt. In der Schule hat die angehende Notfallsanitäterin jedoch nicht wie gewöhnlich Fächer. „Wir durchlaufen Lernsituationen. Ich lerne, wie ich beispielsweise einen Patienten von Grund auf versorge und ihn untersuche“, erläutert die 22-Jährige. Notfallsanitäter lernen zudem auch rechtliche Aspekte, Qualitätsmanagement sowie Kommunikation mit Patienten und Angehörigen.
Ein wichtiger Aspekt ist auch das Thema Tod und Sterben in der Ausbildung. „Mein erster Toter ist mir lange im Gedächtnis geblieben“, berichtet Weißschuh. In der Schule lernen die angehenden Notfallsanitäterinnen einen gesunden Umgang mit Verlusten von Patienten. Im Rettungsdienst werden Einsätze immer nachbesprochen. Und für besonders emotionale Einsätze gibt es die Psychosoziale Notfallversorgung. „Man kann aber immer mit seinen Kollegen reden. Der Rettungsdienst ist wie eine zweite Familie“, sagt Sophia.
Notfallsanitäter: Orangefarbene Dienstkleidung ist klar erkennbar
Je nach Schicht gestaltet sich ein typischer Tagesablauf auf einer Rettungswache für die angehende Notfallsanitäterin etwas unterschiedlich. Ein Tagdienst dauert in der Regel von 7 bis 19 Uhr und ein Nachtdienst von 19 bis 7 Uhr. Außerdem gibt es noch Acht-Stunden-Dienste. Auf der Wache angekommen, beginnt der Dienst damit, dass Weißschuh ihre Dienstkleidung anzieht. Eine knallorangefarbene, lange Hose mit zwei silbernen, reflektierenden Streifen an den Enden und je nach Wetterlage ein kurzes oder langes Oberteil. In Großbuchstaben steht „RETTUNGSDIENST“ auf der Kleidung.
Schnell stattet sich die junge Frau mit ihrem Stethoskop und persönlichen Dingen aus und geht dann zur Übernahme des Rettungswagens. Anschließend folgt ein Briefing mit ihrem Kollegen, bei dem sie ihre Aufgaben für die Schicht erhält. Dann geht’s an die Überprüfung des Rettungswagens, um den Bestand der Medizinprodukte sowie die Ausstattung zu kontrollieren. „Wir müssen auch viele Dinge innerhalb der Schicht erledigen“, erklärt die Notfallsanitäterin. Montags muss ein Teammitglied immer das Blutzuckergerät überprüfen und das Notfall-Auto einem technischen Check unterziehen.
Als Notfallsanitäterin ist man ein Allrounder der Medizin
Trotzdem ist der Rettungswagen stets einsatzbereit und kann von der Integrierten Leitstelle alarmiert werden. Als der Alarm dann ertönt, laufen Sophia Weißschuh und ihr Kollege zum Rettungswagen. „Vor Ort kann einen alles erwarten und man kann ins kalte Wasser geworfen werden“, erzählt sie. „Als Notfallsanitäter bist du der Allrounder der Medizin. Man muss ein kompaktes Wissen haben, da man zu jeder Notfallsituation gerufen werden kann und dann lebenswichtige Entscheidungen treffen muss“, führt sie aus. Nach einem abgeschlossenen Einsatz wird der Rettungswagen desinfiziert und neu aufbereitet. Dann folgt das Warten auf den nächsten Einsatz.
Wichtige Eigenschaften für die Ausbildung zur Notfallsanitäterin sind Offenheit und Kontaktfreudigkeit, da der direkte Umgang mit Menschen im Vordergrund steht. Es ist zudem wichtig, flexibel und einfühlsam zu sein, sich gut anpassen zu können und im Stress einen kühlen Kopf zu bewahren.
Einkommen: Dieses Gehalt bekommen Notfallsanitäterinnen
Die drei Ausbildungsjahre zur Notfallsanitäterin steigern sich im Gehalt. Das bedeutet: Im ersten Lehrjahr können die Azubis mit 1.100 bis 1.200 Euro Bruttogehalt im Monat rechnen. Im zweiten Jahr gibt es 1.300 bis 1.400 Euro – und im dritten Lehrjahr nochmal einen Lohnanstieg von 100 Euro monatlich. Nach der Ausbildung sind – je nach Arbeitgeber – 2.500 bis 3.000 Euro Einstiegsgehalt zu erwarten. Im Durchschnitt liegt das Monatsgehalt aller ausgebildeten Notfallsanitäter in Deutschland bei 3.717 Euro brutto.
Der Beruf des Notfallsanitäters ist der höchste nicht-akademische Abschluss im Bereich der Medizin-Berufe. In Deutschland wird im Durchschnitt täglich etwa 30.000 mal der Notruf gewählt. In der Regel ist ein Realschulabschluss die Voraussetzung, um die Ausbildung zu beginnen. Wer die Ausbildung zur Notfallsanitäterin oder zum Notfallsanitäter erfolgreich absolviert hat, kann sich darüber hinaus noch zusätzliches Wissen aneignen, um im Beruf voranzukommen. Beispielsweise im Zuge einer kaufmännischen Weiterbildung zum Betriebswirt im Gesundheitswesen oder zum Fachwirt im Gesundheits- und Sozialwesen. Aber auch ein Studium ist möglich. Etwa in den Bereichen Humanmedizin, Gesundheitsmanagement oder Rettungsingenieurwesen.
Von Lea Weißschuh


