Das Studium Umwelt- und Prozessingenieurwesen beschäftigt sich mit nachhaltigen Themen zugunsten des Klimas.
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Studium fürs Klima: Umwelt- und Prozessingenieurwesen

Beton ist ein enormer Klimakiller. Studiengänge, die sich mit der Umwelt beschäftigen, bringen nachhaltige Alternativen voran.

Das Studium Umwelt- und Prozessingenieurwesen beschäftigt sich mit nachhaltigen Themen zugunsten des Klimas.

Das ist nachhaltig und zukunftsorientiert. Michelle Becker arbeitet an einer Art Prototyp eines klimaschonenden Zements. Die 22-Jährige studiert an der Hochschule Heilbronn. „Dass hier so viel entsteht“, sagt sie, gefalle ihr am Campus sehr. Seit gut eineinhalb Jahren studiert Becker im Studiengang Umwelt- und Prozessingenieurwesen – und tüftelt an großen Fragen der heutigen Zeit und der Zukunft.

So auch bei der umweltorientierten Projektarbeit zu Geopolymeren. Das sind nicht-organische Bindemittel, die Betongemische benötigen, um auszuhärten. Hier setzt das Projekt von Michelle Becker an, auf das sie auch in der vorlesungsfreien Zeit ein Auge hat. Für den Zement geht es darum, einen klimaschädlichen Bestandteil zunehmend durch einen zu ersetzen, der als Abfall bei anderen Prozessen übrigbleibt: Flugasche.

Bauen mit Beton: Klimakiller zulasten der Umwelt

Becker zeigt eine Masse, die sie später in Gugelhupf-Förmchen gegossen hat. „Ich habe zuerst nach Muffin-Förmchen geschaut, aber keine aus Silikon gefunden“, sagt die Studentin. Die Zutaten hat sie mit einer Küchenmaschine vermengt. Aber diese musste sie sich zuvor erst beschaffen.

Während das unterhaltsam klingt, ist der Hintergrund des Projekts allerdings ein ernster: Über fünf Prozent des weltweiten, umweltschädlichen Ausstoßes an Kohlendioxid stammen aus der Zementproduktion. Das Bauen mit Beton ist ein Klimakiller zulasten der Umwelt, der jährlich mehr Kohlendioxid freisetzt als der weltweite Flugverkehr. Zement wird durch Mahlen und Brennen von Kalkstein, Ton und Mergel hergestellt. Das erfordert viel Energie und spaltet zudem Kohlendioxid ab.

Umwelt- und Prozessingenieurwesen: Vielseitiger als das Chemiestudium

Hier kommt die Flugasche ins Spiel, die zum Beispiel bei der Verbrennung in Kohlekraftwerken übrigbleibt und von Filtern aufgefangen wird. Teil der Zementproduktion ist die Flugasche zwar schon seit einiger Zeit. „Aber nicht in so großen Mengen“, erklärt Michelle Becker. „Bei meiner Mischung ist das jetzt der Hauptbestandteil.“ Während das Rezept für den Geopolymer-Zement bekannt ist, bestand die Herausforderung der Studentin darin, die Bestandteile so zu vermengen, dass nicht eine klumpige Masse dabei herauskommt, wie Becker sagt.

Zunächst hatte die in Erlenbach bei Heilbronn aufgewachsene Michelle Becker in Freiburg an der Universität Chemie studiert. Umwelt- und Prozessingenieurwesen – „den Studiengang finde ich viel breiter aufgestellt als das Chemiestudium“, sagt die 22-Jährige. Sie zählt auf, in welchen Bereichen sie Einblicke erhält. „Hier hast du wirklich alles: etwas Elektrotechnik, mal Umweltchemie, ein bisschen Physik, dazu kommen noch die ganzen Wahlfächer wie Recycling oder Wasserstofftechnologie.“ Dass man von den vielen Feldern etwas mitnehmen kann, gefällt der Studentin besonders gut.

Studium vereint nachhaltige Theorie mit der Praxis

An der Hochschule Heilbronn habe es bereits eine Projektarbeit zu Geopolymeren gegeben, bei der verschiedene Rezepte ausprobiert worden sind. Becker nimmt an, ausgehend von ihrer Arbeit könnten Studierende auch der Frage nach geeigneten Formen zum Gießen der Mischung nachgehen – dann würde sich die Optik wohl von Mini-Kuchen wegentwickeln.

Der Studiengang Umwelt- und Prozessingenieurwesen löste an der Hochschule Heilbronn das Studium Verfahrens- und Umwelttechnik ab und startete im Wintersemester 2021. Zentral sind umweltspezifische Themen und praktische Anwendungen. Es gibt auch ein Praxissemester, berichtet Studentin Michelle Becker. Praktika könne man in der Pharmazie, Industrie oder bei der Energieversorgung absolvieren – sogar weltweit. Ein kürzlich erschienener Ratgeber informiert außerdem über weitere Möglichkeiten von Karrieren in nachhaltigen Berufen.

Von Philip-Simon Klein