Man kann es sich vorstellen wie Hausaufgaben machen. Während die Schüler am Nachmittag zum Beispiel die Matheübungen für den kommenden Tag erledigen, sitzt auch der Lehrer am Schreibtisch. Er bereitet dann unter anderem den Unterricht vor – und überlegt zum Beispiel, wie die Klasse die Aufgaben besprechen könnte und welche neuen Themen und Übungen danach anstehen. Das dauert oft länger als das Hausaufgaben-Machen.
Einer, der das aus eigener Erfahrung weiß, ist Jan Steckelbroeck. Er ist Lehrer für die Fächer Ethik und Informatik und sagt: „Hinter jeder dieser 45 Minuten Unterricht stecken etwa 14 Stunden Vorbereitung.“ Manche Unterrichtsstunden brauchten etwas weniger, andere etwas mehr Zeit. Wer hätte gedacht, dass hinter einer Schulstunde so viel Arbeit stecken kann?
Lange Ausbildung für Lehrkräfte
Um als Lehrer zu arbeiten, hat Jan Steckelbroeck studiert und einen Vorbereitungsdienst absolviert. In dieser Zeit unterrichten die angehenden Lehrkräfte einige Tage die Woche. Zusätzlich besuchen sie zwischendrin selbst eine Art Unterricht. Sie werden immer wieder geprüft und bewertet. Jan Steckelbroeck hat die Zeit als sehr anstrengend erlebt. „Man ist immer unter Druck“, sagt der 30-Jährige heute.
In einer nicht repräsentativen Umfrage der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) stimmten ihm viele Kolleginnen und Kollegen zu. Einige der mehr als 1.000 Befragten gaben an, viele Stunden zu arbeiten und durch den Vorbereitungsdienst überfordert zu sein. 90 Prozent gaben an, emotional und körperlich erschöpft zu sein. Nicht alle ziehen die Ausbildung durch.
Freude am Beruf
Doch Jan Steckelbroeck hat die anstrengende Zeit überstanden. Gerade bewirbt er sich um eine feste Stelle in Frankfurt am Main. Kurzzeitig hat er über einen Jobwechsel nachgedacht. Doch der wichtigste Grund, Lehrer zu bleiben, seien die Schülerinnen und Schüler: „Der Job macht einfach so Spaß!“, sagt Herr Steckelbroeck.
Von Sandra Trauner und Julia Cebella (dpa)


