Letizia Valentino arbeitet beim Bestatter. Im Alter von 15 Jahren fing sie eine Ausbildung in dem Bereich an. Am Beruf gefällt ihr unter anderem die Flexibilität
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Mit Verstorbenen arbeiten: Das muss man für einen Job im Bestattungswesen mitbringen

Letizia Valentino arbeitet beim Bestatter – darauf reagieren viele zunächst verblüfft.

Letizia Valentino arbeitet beim Bestatter. Im Alter von 15 Jahren fing sie eine Ausbildung in dem Bereich an. Am Beruf gefällt ihr unter anderem die Flexibilität

In ihrem Umfeld reagieren die Menschen zunächst etwas erstaunt oder irritiert. „Der Beruf ist überhaupt nicht normalisiert, obwohl es total normal ist“, erzählt Letizia Valentino. Wenn Valentino ihren Arbeitsalltag dann etwas genauer erklärt, stößt sie eher auf Interesse, sagt sie. Die 17-Jährige aus Neckarsulm arbeitet im Bestattungswesen.

Bestatterin – dass sie diesen Beruf anstreben würde, wusste sie schon mit 15 Jahren. Im September 2023 fing Valentino nach bestandenem Hauptschulabschluss eine Ausbildung zur Bestattungsfachkraft an.
Sie wollte weg von der Schule, anfangen zu arbeiten. Und hatte sich nach zwei Praktika für diesen Berufsweg entschieden. Nach kurzer Zeit brach Valentino die Ausbildung allerdings ab. Mit 15 Jahren war der Blockunterricht im über 150 Kilometer entfernten unterfränkischen Münnerstadt bei Bad Kissingen nichts für sie – doch das bedeutet nicht, dass Valentino nicht mehr Bestatterin wird.

Viele Quereinsteiger aus dem handwerklichen Bereich

Zunächst macht sie mit einem Jahrespraktikum beim Bestatter weiter, arbeitet kontinuierlich im Betrieb mit und erlernt das Handwerk. Nach fünf Jahren Berufspraxis kann sie dann begleitet von Kursen eine Prüfung ablegen und wird so geprüfte Bestatterin.

Dieser Weg in den Beruf ist nichts Außergewöhnliches, erzählt Pascal Appel. Er ist Valentinos Stiefvater und Geschäftsführer ihres Betriebs, der Trauerhilfe Appel in Heilbronn. Bei ihnen gebe es viele Quereinsteiger, zum Beispiel aus dem handwerklichen Bereich.

Empathie und Mitgefühl, aber auch körperliche Fitness wichtig

Bis sie die Prüfung machen kann, arbeitet die mittlerweile 17-jährige Valentino im Bereich „Technik“ bei Appel. Dieser Bereich ist für alles Ausführende verantwortlich, während im Büro die organisatorischen Dinge erledigt werden. Valentino kleidet Särge aus, holt Verstorbene mit ab, beispielsweise aus dem Krankenhaus. Der Tote wird dann von ihr versorgt, eingekleidet und auf Kissen gebettet. Für den Beruf mitbringen müsse man Empathie und Mitgefühl, aber auch eine gewisse körperliche Fitness sei gut, um beispielsweise einen Toten zu tragen. Zimperlich sollte man nicht sein, gerade beim Abholen eines Leichnams, beispielsweise von einer Unfallstelle.

Wie geht man dann emotional damit um? „Ich lasse das gar nicht so an mich ran, gerade zum Eigenschutz“, sagt Valentino. Sie brauche es als Ventil, dass sie über ihren Alltag redet. „Um dann gar nicht so viel darüber nachzudenken“, sagt sie. Am Beruf gefällt ihr die Flexibilität. „Man kommt viel rum.“ Sie mag die Abwechslung – jeden Tag etwas Neues. Am wenigsten gefallen ihr die Momente des Leerlaufs und des Wartens, zum Beispiel auf einer Trauerfeier.

Trauerhilfe-Geschäftsführer empfiehlt: mit Praktikum starten

Menschen, die Interesse an dem Beruf haben, empfiehlt Geschäftsführer Pascal Appel erstmal ein Praktikum. Dabei könne man herausfinden, ob das Bestattungswesen einem liegt oder nicht. Der Mediacampus Frankfurt ist die brancheneigene Ersatzberufsschule, wird also nicht staatlich, sondern privat vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels getragen. Die Fächer finden im Blockunterricht statt. Es gibt aber auch staatlich finanzierte Berufsschulen, an denen ein bis zweimal die Woche unterrichtet wird.

Von Simon Bitsch

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