Wenn man als Fremder die Halle in Neckarsulm betritt, zieht einem sofort der Geruch von Lack in die Nase. Dazu verschiedene mechanische Geräusche. „Ich bemerke das schon gar nicht mehr“, sagt Fiona Morina dazu. Die 20-Jährige macht hier bei Audi eine Ausbildung zur Fahrzeuglackiererin.
Mit ihrer Berufswahl ist sie sehr zufrieden. „Ich bin traurig, denn das war die schönste Zeit“, sagt sie in Anbetracht ihrer praktischen Abschlussprüfung im Juli und dem Ende ihrer Lehre. Für Autos habe sie sich schon immer interessiert, nach dem Hauptschulabschluss ging sie aufs Berufskolleg im Kfz-Bereich. Über eine Freundin kam sie zur Ausbildung bei Audi – eine Entscheidung, die sie nicht bereut: „Ich bin zufrieden wie am ersten Tag.“
Kreativität und Interesse an Autos sind Voraussetzung für den Beruf
Nach der Ausbildung kann sie bei Audi weiterarbeiten, denn die 20-Jährige wurde bereits übernommen. Ihr Alltag beginnt klassischerweise mit einem Teammeeting, in dem Aufgaben verteilt werden. Dann geht es ans Aufhängen, Abkleben, Reinigen, Abschleifen, Spachteln und das eigentliche Lackieren – von einer Grundierung bis zum finalen Klarlack.
Am liebsten arbeitet Morina im Kundendienst-Center und der Lehrwerkstatt. Dort könne sie sich austoben, ausprobieren, also kreativ sein. Kreativität ist sowieso eine Eigenschaft, die man für den Beruf mitbringen sollte, so Morina. Dazu sollte man teamfähig sein und ein Interesse an Autos haben.
Viel Theorie im ersten Ausbildungsjahr
Aber auch die Zeit in der Berufsschule macht ihr Spaß. Im ersten Ausbildungsjahr sind Fahrzeuglackierer fast nur in der Schule, im zweiten und dritten Ausbildungsjahr ist Morina noch einmal in der Woche in der Schule im Theorieunterricht, jede zweite Woche gibt es zusätzlich einen Tag Werkstattunterricht an der Schule.
Neben Fächern wie Deutsch, Wirtschaft und Gemeinschaftskunde, stehen auch Themen wie Mathe, Beschichtungstechnik und Instandsetzung auf dem Programm, die konkreter mit Morinas Arbeitsinhalten zu tun haben.
Dreimonatiger Auslandsaufenthalt in Portugal
Die Reaktionen auf Fiona Morinas Beruf fallen von außen oft überrascht aus – weil sie als Frau dieses stereotype männliche Berufsfeld gewählt hat. Aber Morina sieht sich nicht als Ausreißerin von der Norm: „Es gibt viele Frauen, wir haben im Jahrgang immer mehr Frauen als Männer“, entgegnet sie.
Ein weiterer Höhepunkt ihrer Ausbildung war für die 20-Jährige die Projektarbeit. Sowohl in einem Projekt mit einer Neckarsulmer Vorbereitungsklasse, als auch in einem Azubi-Projekt rund um den Entwurf eines Konzept-Rennwagens, fühlte sie sich wohl. Außerdem durfte Morina im Rahmen von Erasmus drei Monate lang in Portugal lernen. Dort besuchte sie nicht weit von der Küste eine Berufsschule und war in einem Betrieb im Einsatz „Das war richtig cool“, fasst sie zusammen.
Von Simon Bitsch


