Bereits mit zwölf Jahren hat Giorgia Sanasi ihren Freunden Bücher weiterempfohlen und hat auch selbst schon immer gern gelesen. Vor allem Fantasy und Romance Titel sind dabei ihre Leidenschaft. Trotzdem habe sie erstmal nicht daran gedacht, Buchhändlerin zu werden. „Ich habe nicht direkt gewusst, dass ich das werden möchte. Aber ich war hier im Osiander und habe die Kollegen gesehen, wie sie beraten haben, und dachte mir, das passt.“ So ist sie auch auf die Berufsgruppe aufmerksam geworden und hat sich für die Ausbildung zur Buchhändlerin beim Osiander Heilbronn entschieden.
Die 21-Jährige ist im zweiten Lehrjahr und hat im Rahmen der insgesamt dreijährigen Ausbildung noch ein Jahr vor sich. Bereits im ersten Jahr der Ausbildung hat sie viele praktische Erfahrungen sammeln können, denn zu Beginn ist sie voll im Betrieb. „Ich habe in der Kinderbuchabteilung im Erdgeschoss angefangen.“
„Ein Buch sollte man schon mal vorher gelesen haben“
Mittlerweile ist sie im Obergeschoss. Das sei bei der Filiale in Heilbronn Standard, jedoch variiere die Startabteilung je nach Buchhandlung. Grundsätzlich sei aber das erste Jahr dafür da, in den Abteilungen Praxiserfahrungen zu sammeln und so schon mit einem Grundwissen in der Schule zu starten. Besondere Vorkenntnisse sind nicht gefragt. „Ein Buch sollte man aber schon mal vorher gelesen haben“, sagt die Heilbronnerin mit einem Schmunzeln. Vorkenntnisse in BWL seien ebenso von Vorteil, werden aber nicht zwingend benötigt.

Unterrichtet wird am Mediacampus in Frankfurt, dort finden insgesamt vier Blockeinheiten jeweils für neun Wochen statt. „Wir lernen da die Sachen, die wir im Laden brauchen, aber auch, wenn man eine eigene Buchhandlung aufmachen möchte.“ Sie erfährt dort viel über Buchhaltung und Sortimentspflege. Im ersten Block seien die Themen immer etwas allgemeiner gehalten: Umgang mit dem Warenwirtschaftssystem, Warenpräsentation oder es werden einzelne Abteilungen wie Belletristik oder Kinderbücher vorgestellt. Der zweite Block werde dann konkreter – hier geht es viel um Management.
Stressige Prüfungsphase: „Fünf bis sechs Klausuren pro Tag“
Im zweiten Block finden auch die Prüfungen statt. „Es ist schon stressig, weil ich in zwei Tagen alle Klausuren schreibe, das sind fünf bis sechs pro Tag“, so Sanasi. Zwar fließt die Zwischenprüfung nicht in die Abschlussnote ein „aber ich möchte trotzdem gut abschneiden“. Im letzten Ausbildungsjahr stehen dann die benoteten Prüfungen an. Das Gelernte gibt sie dann auch direkt weiter. „Obwohl ich Azubi bin, darf ich auch Verantwortung übernehmen und selbst die erfahrenen Kolleginnen nehmen Tipps von mir an.“ Das gefällt ihr besonders gut.
„Es ist zwar oft stressig, aber die guten Tage überwiegen und der Stress kann auch etwas positives sein“, so Giorgia Sanasi. Sie sei schon viel stressresistenter, seit sie die Ausbildung angefangen hat – Reklamationen und unzufriedene Kunden belasten sie nicht mehr so stark. Und auch ihr Selbstbewusstsein ist gewachsen. „Ich habe festgestellt, dass die Menschen gar nicht beißen.“ Das ist auch wichtig, denn die „Beratung und Kundenbetreuung stehen bei uns im Vordergrund“, sagt sie, „da sollte man nicht schüchtern sein“.
Fächer an der Berufsschule finden im Blockunterricht statt
Der Mediacampus Frankfurt ist die brancheneigene Ersatzberufsschule, wird also nicht staatlich, sondern privat vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels getragen. Die Fächer finden im Blockunterricht statt. Es gibt aber auch staatlich finanzierte Berufsschulen, an denen ein bis zweimal die Woche unterrichtet wird.
Von Anna-Linda Hahn


