„Ich wollte vor meiner Bewerbung beim Landratsamt eigentlich etwas ganz anderes machen“, erzählt Finn Avila de Groen. Der 17-Jährige aus Bad Rappenau ist beim Landratsamt Heilbronn im zweiten Lehrjahr zum Verwaltungsfachangestellten. Und bevor er die Ausbildung begann, dachte er eher in Richtung Marketing oder Buchhaltung. Das ist jetzt „quasi gemixt“, sagt Avila de Groen.
Er hatte sich umgeschaut und ist über Social Media oder die Webseite – ganz genau wisse er es nicht mehr – auf diese Ausbildung aufmerksam geworden. Wenn er seinen künftigen Beruf einfach erklären müsste? „Man hat hier zum Glück einen nahen Realitätsbezug.“ Jeder sei schon einmal im Rathaus oder bei der Führerscheinstelle gewesen. Auch dort sitzen Verwaltungsfachangestellte.
Koordination von Praktikanten und Kommunikation mit Ämtern
Der 17-Jährige sitzt derzeit im Team Ausbildung, das gehört zur Personalstelle. „Bei uns geht es ganz viel um Bewerberinnen und Bewerber, Praktikanten sowie um unsere eigenen Azubis“, sagt der Auszubildende. Er teilt etwa die Praktikanten ein, schreibt den entsprechenden Ämtern und übernimmt die Planung.
„Mir gefällt es hier im Personalwesen“, auch die zuständige Stelle für Bafög beim Jugendamt hat Avila de Groen gut gefallen. Besonders die Vielseitigkeit: das Prüfen von Anträgen, die Entscheidung anhand von Kriterien, ob sie angenommen oder abgelehnt werden und der Kundenkontakt. Frisch von der Realschule war genau der anfangs eher schwierig, erzählt Avila de Groen. Aber: Daran gewöhne man sich.
Kein reiner Bürojob: Arbeiten im Forstamt gehören dazu
Verwaltunsgfachangestellte sitzen eben nicht nur vor dem Computer. Je nach Amt – zirka alle vier Monate wechseln die Azubis das Amt – gibt es Arbeiten außerhalb des Büros. Beim Forstamt geht es etwa auch in den Wald und bei der Zulassungsstelle müssen Autos zum Teil kontrolliert werden. Und neben dem Kundenkontakt gibt es auch den Kontakt zu den anderen Mitarbeitern. Das ist auch ein Aspekt, der Avila de Groen besonders viel Spaß macht.
Zur Ausbildung gehört auch der Blockunterricht an der Andreas-Schneider-Schule. „Wir haben zum Beispiel Deutschunterricht.“ Aber auch Rechtslehre und Finanzwesen etwa. „Die Gesetzbücher spielen in der Berufsschule eine große Rolle.“ Auch Buchhaltung, Allgemeine Wirtschaftslehre und Gemeinschaftskunde stehen auf dem Stundenplan.
Viele interne Fortbildungsmöglichkeiten
Die Ausbildung dauert drei Jahre und kann auf zweieinhalb Jahre verkürzt werden. Beim Landratsamt ist es standardmäßig so kurz. Für danach hat der 17-Jährige schon Pläne: „Ich möchte auf jeden Fall den Verwaltungsfachwirt machen.“ Dafür muss er auf Lehrgänge gehen. Hat er den Fachwirt in der Tasche, ist er auf der Ebene des gehobenen Dienstes und kann mehr Verantwortung übernehmen und auch mehr verdienen.
Die Arbeit beim Landratsamt gefällt ihm, man könne sich dort gut fortbilden und werde unterstützt. Interessierten an dieser Ausbildung empfiehlt er: „Man muss es wollen, zu lernen.“ Und: „Ganz viel offen für Neues sein.“ Etwa das Telefonieren war für ihn ungewohnt, aber das könne man lernen. Und mit Rechtschreibung sollten sich Interessierte auskennen, erklärt Avila de Groen, schließlich schreibe man viele E-Mails in diesem Beruf.
Von Klara Landes


