„Retten, Bergen, Löschen, Schützen. Alles, was man sich darunter vorstellen kann, gehört dazu“, erklärt Philipp Bauer. Der 32-Jährige macht gerade die Ausbildung zum Feuerwehrmann im mittleren feuerwehrtechnischen Dienst bei der Berufsfeuerwehr in Heilbronn. Diese dauert eineinhalb Jahre und umfasst sowohl die Grundausbildung als auch Weiterbildungen in verschiedenen Bereichen.
Schon immer hat sich Bauer für die Feuerwehr interessiert. Bereits mit zwölf Jahren ist er in die Jugendfeuerwehr eingetreten. Bis zum Start bei der Berufsfeuerwehr war er bei der Freiwilligen Feuerwehr tätig. Trotzdem hat er erst eine Ausbildung zum Industriemechaniker und dann zum Industrietechniker gemacht. „Bei der freiwilligen Feuerwehr habe ich bei einem Lehrgang zum Gruppenführer mitgemacht und dann beschlossen, dass die Feuerwehr mehr ist als nur ein Hobby“, sagt er. Ihm habe vor allem das Handwerkliche gefehlt, und „ich will der Bevölkerung etwas zurückgeben“.
Einstellungstest: Sportdisziplinen, aber auch Theorie mit Diktat, Rechnen und Physik
Trotzdem war es wichtig, dass er erst eine Ausbildung abgeschlossen hat. Diese ist nämlich die Voraussetzung dafür, dass man bei der Berufsfeuerwehr einsteigen kann. Wichtig für die Ausbildung ist laut Bauer die richtige Vorbereitung. Ein Jahr lang hat er sich auf die verschiedenen Tests vorbereitet. „Der Einstellungstest ist anspruchsvoll“, sagt er. Der Test beinhalte unter anderem Sportdisziplinen wie Schwimmen und Tauchen, aber auch einen Theorieteil mit Diktat, Rechnen und Physik. Zusätzlich gibt es noch einen handwerklichen Teil, denn „Feuerwehr ist ein Handwerk“.

Gearbeitet wird nach der Ausbildung in Schichten. Dabei wird das sogenannte Bremer Schichtmodell angewendet. „Im Groben arbeitet man zwei- bis dreimal die Woche. Die 24 Stunden gehen auch schnell vorbei und man ist gemeinsam unterwegs“, sagt Bauer. Zudem gibt es eine Bereitschaftszeit und „man ist teilweise unter der Woche daheim“. 24 Stunden heiße nicht, dass man so lange im Einsatz sei. Zwar hat die Feuerwehr rund 1.900 Einsätze im Jahr – das sind rund fünf bis sechs am Tag. Schichtfüllend sind sie jedoch nicht. Auch Fahrzeugpflege, Ruhezeiten, verschiedene Übungen, Sonderausbildungen und vor allem Sport gehören dazu.
Feuerwehrfitnessabzeichen, Rettungsschwimmer und Sportabzeichen sind Pflicht
Dienstsport ist verpflichtend. Auch muss ein Feuerwehrfitnessabzeichen gemacht werden, genauso wie der Rettungsschwimmer und ein Sportabzeichen. Das hilft in der Ausbildung, denn diese besteht aus vielen Teilausbildungen wie dem Sportbootführerschein, einem Sonderführerschein, der Drehleiter- und Kranausbildung sowie einem Tauchschein. Letzterer ist besonders wichtig bei der Berufsfeuerwehr in Heilbronn, denn diese muss oft im Neckar ausrücken. Auch der Rettungssanitäter ist ein Muss, der in drei Monaten absolviert wird.
Besonders war für Philipp Bauer die Heißausbildung in Kühlsheim (Main-Tauber-Kreis). Dort werden Wohnungsbrände simuliert und das Rauchverhalten studiert. „Ich war schon aufgeregt“, sagt der 32-Jährige. „Es ist etwas anderes als bei einer Nebelmaschine – da lernt man dann seine Grenzen kennen.“ Temperaturen von bis zu 1.800 Grad werden dort erzeugt. „Aber lieber im Training die Ohren verbrennen, als bei einem richtigen Einsatz nicht wissen, was zu tun ist.“ Auch Fortbildungen in Industriegebäuden, auf Schiffen und im Kieswerk gehören dazu. „Es geht ja um Menschenleben, da muss jeder Handgriff sitzen. Deshalb gibt es auch so viele Prüfungen.“
Nach der Ausbildung folgt die Verbeamtung – viele Möglichkeiten, sich weiterzubilden
18 Urkunden hat der Heilbronner bereits gesammelt „und hinter jeder steckt eine Prüfung und ein Lehrgang“. Zusätzlich wird jeden Montag ein Wochentest geschrieben. Für ihn sind die vielen Ausbildungen etwas Schönes. „Die Bandbreite ist toll und vieles kann man auch privat nutzen.“
Ist die Ausbildung beendet, folgt die Verbeamtung. Es besteht auch immer die Möglichkeit, sich weiterzubilden, beispielsweise zum Ausbilder, Tauchlehrer oder Oberamtsleiter. „Gedanken habe ich mir dazu aber noch keine gemacht“, sagt Bauer. „Erstmal möchte ich Erfahrung sammeln, ausrücken und im Zug mitfahren. Das Gelernte erstmal umsetzen. Die Kameradschaft, die schon in der Ausbildung entsteht, weiter festigen.“
Interessiert? Berufsfeuerwehr Heilbronn informiert am 18. April über die Ausbildung
Für Philipp Bauer steht fest: „Jeder, der zur Feuerwehr geht, hat eine soziale Ader. Es geht nur zusammen, aber das ist gerade das Schöne, dass man weiß, dass man sich aufeinander verlassen kann.“
Übrigens: Am 18. April informiert die Berufsfeuerwehr Heilbronn über die verschiedenen Möglichkeiten, die es bei einer Ausbildung gibt. Neben dem Einstieg in den mittleren Dienst gibt es für Uni- und Hochschulabsolventen auch die Möglichkeit, in den gehobenen oder höheren Dienst einzusteigen. Auch gibt es dort Einblicke in die verschiedenen Facetten der Ausbildung.
Von Anna-Linda Hahn


